Umstellung von Anbinde- auf Laufstallhaltung im Schwarzwald-Baar-Kreis: Großes Interesse bei Kreislehrfahrt
Auf großes Interesse stieß die Kreislehrfahrt für Landwirtinnen und Landwirte im Schwarzwald-Baar-Kreis. Das Landwirtschaftsamt des Landratsamtes Schwarzwald-Baar-Kreis und der Verein für landwirtschaftliche Fortbildung (VLF) organisierten die Infoveranstaltung. Über 130 Landwirtinnen und Landwirte der Region nahmen daran teil. Bewusst konzentrierten sich die Veranstalter auf kleinere Milchviehbetriebe im Schwarzwald, die in einen Umbau, Anbau oder einen Stallneubau investiert hatten. Dr. Manuel Krawutschke, stellvertretender Leiter des Landwirtschaftsamtes, begrüßte auf dem Hof von Andreas und Simone Schwer in Triberg-Nußbach und freute sich über die gute Resonanz. „Das zeigt, wie groß das Interesse an der Umstellung der Rinderhaltung im Schwarzwald ist und dass man von gelungenen baulichen Lösungen der Berufskollegen lernen kann“, so Dr. Krawutschke.
Der Betrieb der Familie Andreas Schwer wurde 2016 vom Milchvieh-Anbindestall zum Laufstall mit Anbau und Melkstand für 23 Milchkühe mit weiblicher Nachzucht umgebaut. In dem Grünlandbetrieb mit etwas Ackerbau und Wald wurde 2024 in eine automatisierte Fütterungsanlage investiert. Andreas Schwer stellte seinen Milchviehstall vor, der mit Lichtfirst und Lichtplatten an der Stirnseite einen hellen Eindruck vermittelt und mit seinen Hubfenstern die Querlüftung im Stall sichert. Hans-Martin Schwarz, als Berater für die Investitionsförderung beim Landwirtschaftsamt zuständig, betonte die Bedeutung der Arbeitswirtschaft und Arbeitsqualität. Täglich anfallende Routinearbeiten wie das Füttern zu automatisieren, sei gerade auch für Nebenerwerbsbetriebe zunehmend attraktiv, zumal die konventionelle Fütterungstechnik auch teuer sei und oft hohen Diesel-Aufwand erfordere.
Dr. Silke Lanninger, Dezernentin für Ländlichen Raum beim Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis, hob hervor, wie wichtig die Betriebe im Schwarzwald für die Offenhaltung sind und dankte der Familie für ihren Einsatz und den damit verbundenen Investitionen.
Eine etwas andere Konstellation konnten die zahlreichen Interessierten bei der Familie von Bianca und Thomas Schwer in Schönwald sehen. Da ein junger Hofnachfolger sich bereits angesagt hat, investierte der Betrieb in einen neuen Milchviehlaufstall für 24 Kühe und hält das Jungvieh für die weibliche Nachzucht im ehemaligen umgebauten Anbindestall des Eindachhofs. Die betriebliche Entwicklung, die weiterhin im stabilen Nebenerwerb stattfindet, war der Betriebsleiterfamilie wichtig, um langfristig die Existenz des Hofes für den Sohn als Hofnachfolger abzusichern. Die tiergerechte Milchviehhaltung ist der Familie ein großes Anliegen. Die große Zufriedenheit der Familie mit ihrer Baumaßnahme war zu spüren.
Beim Betrieb der Familie von Sandra und Andreas Kuner auf dem Mühleberg, ebenfalls in Schönwald, konnten die Besucher einen An- und Umbau zum Milchviehlaufstall, der im Jahr 2023 vorgenommen wurde, bestaunen. Es wurde ein Stall für acht Milchkühe mit Jungvieh in diesem reinen Grünland- und Weidebetrieb errichtet. Zuvor wurden vier Milchkühe gehalten. Entmistet wird mit einem Abschieberoboter, um die Laufgänge und Übergange sauber zu halten und Handarbeit einzusparen. Es war ein Paradebeispiel, dass sich auch noch so kleine Betriebe weiterentwickeln können, wenn die Hofnachfolge gesichert ist und ein gewisses Maß an Eigenleistung eingebracht werden kann.
Hans-Martin Schwarz erklärte, dass es noch um die 200 sogenannte rinderhaltende „Anbindebetriebe“ im Schwarzwald-Baar-Kreis gebe, die nach Lösungen suchten: „Keiner ist verloren, jede Betriebsleiterfamilie sollte ihren Weg suchen und finden“, so der Berater.
Den Abschluss machte der Besuch des Betriebs von Jonica und Stefan Kienzler in der unmittelbaren Nachbarschaft in Schönwald. Hier wurde eine reine Umbaulösung des vorhandenen Anbindestalls ohne jede Bestandsaufstockung im Eindachhof gezeigt. Der Betrieb wird durch eine professionelle Direktvermarktung mit Milchautomat, Bauernhofeis und weiteren landwirtschaftlichen Produkten komplettiert. Es wurde deutlich, dass eine Wertschöpfung der selbst erzeugten Produkte beim Verkauf an die Endkunden angestrebt wird. Auch eine Ferienwohnung existiert auf dem Betrieb.
Der Ausklang fand auf dem Betrieb von Familie Kienzler bei einem kleinen Hock mit Speisen und Getränken statt. Hier wurden Informationen der Landwirtschaftsverwaltung zur Investitionsförderung und anderen Themen präsentiert. Es wurde deutlich, dass eine Offenhaltung der Landschaft im Schwarzwald und die nachhaltige Etablierung von rinderhaltenden landwirtschaftlichen Betrieben nur mit engagierten Betriebsleiterfamilien, fundierter Beratung und zielgerichteter Investitionsförderung gewährleistet werden kann.