Fachtag »Häusliche Partnerschaftsgewalt - Was kann Erziehungsberatung leisten?« zieht Fachöffentlichkeit an
Beim Fachtag „Häusliche Partnerschaftsgewalt – (Un-) Mögliche Rollen für die Erziehungsberatung!? Was geht denn eigentlich (nicht)?“ trafen sich jetzt Fachkräfte aus Beratungsstellen, Jugendhilfe, Gerichtsbarkeit und Wissenschaft im Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis in VS-Villingen, um über die Rolle der Erziehungsberatung im Kontext häuslicher Partnerschaftsgewalt zu diskutieren. Veranstalter und Referentinnen legten den Fokus auf konkrete Praxisfragen, Schnittstellenkoordination, rechtliche Rahmenbedingungen und den Schutz betroffener Kinder. Landrat Sven Hinterseh begrüßte die aus ganz Baden-Württemberg angereisten Tagungsteilnehmer im Landratsamt und dankte den Fachkräften für ihre wertvolle Arbeit. Kathrin Forch als Vorsitzende der LAG und Daniel Mielenz, Leiter der BEKJ freuten sich über die große Anzahl der Interessierten.
Der Fachtag wurde durch die Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungsberatung Baden-Württemberg e. V. (LAG) in Kooperation mit der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche (BEKJ) des Landratsamtes Schwarzwald-Baar-Kreis ausgerichtet.
Häusliche Partnerschaftsgewalt ist seit Langem ein bekanntes gesellschaftliches Problem. Aktuelle Zahlen aus der polizeilichen Kriminalstatistik Baden-Württemberg, die Dunkelfeldstudie des Bundeskriminalamtes (BKA) und der jüngste Grevio-Bericht machen erneut deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Vor diesem Hintergrund widmete sich der Fachtag dem Phänomen häuslicher Partnerschaftsgewalt aus der Perspektive unterschiedlicher Zuständigkeiten innerhalb der Jugendhilfe sowie angrenzender Systeme und beleuchtete die Erziehungsberatung als zentrale, niedrigschwellige Anlaufstelle.
Das Vormittagsprogramm eröffnete Prof. Dr. Ute Ziegenhain mit einem Vortrag zu Entwicklungsrisiken und Erlebensweisen gewaltbetroffener Kinder. Anschließend erläuterte die Münchner Richterin Ulrike Sachenbacher die Istanbul-Konvention, einschlägige Rechtslagen und den Kinderschutz bei häuslicher Partnerschaftsgewalt. Beide Vorträge boten Raum für Fragen und Anmerkungen.
Nach der Mittagspause vertieften sechs parallel angebotene Workshops einige praxisrelevante Themen, wie beispielsweise die „Interdisziplinäre Kooperation und Vernetzung“, „Handlungsmöglichkeiten, wenn Partnerschaftsgewalt in Beratungen auftaucht“ oder „Bedürfnisse von Kindern, die häusliche Partnerschaftsgewalt erleben“ und „Fallschirm“ — schnelle Hilfe für Kinder in Krisensituationen“.
Zusätzlich gab es ein Angebot für Teamassistenz. Dabei vermittelte Anja Töpper neuropsychologische Grundlagen für den Umgang mit Ratsuchenden.
Daniel Mielenz freute sich über die gelungene Veranstaltung und fasste zusammen: „Der Fachtag machte deutlich, dass Erziehungsberatung ein wichtiges, aber bisweilen unklar umrissenes Glied im Unterstützungsgefüge sein kann. Das Ziel, dass sich Erziehungsberatungsstellen mit den eigenen Möglichkeiten der Unterstützung vor Ort beschäftigen wurde Dank der wichtigen Vortragsimpulse und Praxisworkshops voll erreicht.“