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07.07.2026

Zeitzeuginnen erinnerten an die Kinderverschickung im Schwarzwald-Baar-Kreis

Im Rahmen der Ausstellung „Freude und Erholung?“ fand im Landratsamt eine Gesprächsrunde mit zwei Zeitzeuginnen statt, die als Kinder in den Landkreis verschickt worden waren.

Auf Einladung des Kreisarchivs berichteten zwei Betroffene von ihren Erlebnissen bei Kinderkuren im Schwarzwald-Baar-Kreis. Barbara Zander kam als Fünfjährige, eigentlich nur als Begleitung ihres asthmakranken Bruders in ein Privatkinderheim nach Königsfeld. Obwohl die Kinder daheim sehr streng erzogen worden waren, herrschte in dem Kinderheim, in dem sich gerade einmal zwei Personen um zehn bis 15 zwei-(!) bis achtjährige Kinder kümmerten, eine Strenge und Härte, die die Kinder zutiefst verstörte. Angelika Koch kam als Kind in das „Kindersolbad“ nach Bad Dürrheim, in dem hunderte von Kindern gleichzeitig für die Kuranwendungen untergebracht waren. Beiden gemeinsam sind Erinnerungen an das Ausgeliefertsein, an eine ausgesprochene Lieblosigkeit, an Essenszwang, an quälendes Liegen zur Mittagszeit, an das strikte Verbot, dabei oder nachts auf die Toilette zu gehen, an den Zwang Erbrochenes wieder aufessen zu müssen oder nachts in nassen Betten zu liegen; in Bad Dürrheim zusätzlich verbunden mit der Verabreichung unabgesprochener und unbekannter Medikamente.

Die damaligen Methoden entsprachen einem noch lange verbreiteten Erziehungsgrundsatz, den kindlichen Willen zu brechen und Unterordnung einzuüben, anstatt Kinder stark und resilient zu machen. Kopfschüttelnd hörten diese Schilderungen zwei Vertreter aus der aktuellen Kinder- und Jugendarbeit, die mit in der Runde saßen: die Leiterin des Jugendamts Heike Rau und der Geschäftsführer der Rehaklinik Katharinenhöhe Stephan Maier. Obwohl die Kinderkuren vor gerade einmal 50 Jahren zu Ende gingen, liegen Welten zwischen ihnen und der Gegenwart. „Seither hat sich die Soziale Arbeit als Studienfach etabliert“, sagte Rau, „und mit ihr ein vollkommen anderer Blick auf Kinder und den Umgang mit ihnen.“ Und Maier fügte an: „Heute unterstützt man Kinder, so gut es geht, und hat auch sehr ausgefeilte interne Konzepte, um das eigene Handeln ständig zu überprüfen.“ So stand am Ende eines weitgehend düsteren Abends die Erkenntnis, dass die Gesellschaft aus der Vergangenheit gelernt hat. „Wir wollen, so fügte Angelika Koch, die sich heute im Verein „Aufarbeitung und Erforschung Kinderverschickung e.V.“ engagiert, „mit unserer Arbeit an die Vergangenheit erinnern und darauf hinwirken, dass heutigen Kinder so etwas nicht mehr widerfährt.“

Die Ausstellung des Landesarchivs Baden-Württemberg „Freude und Erholung? Kinderverschickung in Baden-Württemberg 1949–1980“ ist noch bis 31. Juli im Foyer des Landratsamts zu den Öffnungszeiten des Hauses – das heißt: von Montag bis Donnerstag von 8 bis 11.30 Uhr und donnerstags zusätzlich von 14 bis 17.30 Uhr – zu sehen. Ein Angebot zu Führungen besteht mittwoch- und freitagnachmittags, nach Voranmeldung unter kreisarchiv@lrasbk.de.