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12.05.2026

Medieninfo zur Krankenhausstruktur im Schwarzwald-Baar-Kreis

Die Krankenhausreform

Das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG) ist im Januar 2025 als Basis für die Krankenhausreform in Deutschland in Kraft getreten. Bundesweit sorgt die beschlossene Reform für Veränderungen in der Kliniklandschaft, denn sie beinhaltet gesetzlich festgelegte Anforderungen, die von den Kliniken erfüllt werden müssen. Die Reform kommt zu einer Zeit, in der die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser sehr angespannt ist und es in vielen Kliniken Überlegungen dazu gibt, wie eine zukunftsorientierte und wirtschaftlich tragfähige Ausrichtung aussehen könnte.

Mit der Reform wird sich die Finanzierung der stationären Versorgung in Deutschland grundlegend verändern. Krankenhausleistungen werden in so genannte Leistungsgruppen eingeteilt. Für die Leistungsgruppen werden bundesweit einheitliche Qualitätskriterien festgelegt, die erfüllt werden müssen. Die Idee dahinter: Die Qualität soll sich verbessern. Leistungen sollen nur in solchen Krankenhäusern erbracht werden, die über das notwendige Personal, eine angemessene apparative Ausstattung sowie weitere für die Behandlung erforderliche Fachdisziplinen verfügen. Das gilt auch für das Schwarzwald-Baar Klinikum mit seinen beiden Standorten in Villingen-Schwenningen und Donaueschingen und die strategische Ausrichtung seiner medizinischen Leistungsangebote.

Herausforderungen: KHVVG und wirtschaftliche Lage

Gleichzeitig befindet sich das Schwarzwald-Baar Klinikum wie die meisten Kliniken bundesweit in einer wirtschaftlich angespannten Lage. Die Situation hat sich in den Krankenhäusern verschärft: Tarif- und inflationsbedingte Kostensteigerungen treffen auf gedeckelte Preise, und auch das jüngste GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ist darauf ausgelegt, den Krankenhäusern weitere Mittel zu entziehen.

Eine Klinikums-Gesellschaft, zwei Standorte

In Bezug auf die Reform sieht sich das Klinikum einer besonderen Herausforderung gegenüber: Im KHVVG werden alle Standorte eines Krankenhauses hinsichtlich der Qualitätsvorgaben einzeln betrachtet. Ein Krankenhaus mit mehreren Standorten, die mehr als zwei Kilometer räumlich voneinander getrennt sind, sieht die Reform nicht vor. Das bedeutet, dass das Schwarzwald-Baar Klinikum sein bisheriges Konzept der Leistungserbringung – spezialisierte Angebote ohne Doppelvorhaltungen am Standort Villingen-Schwenningen und Donaueschingen – anpassen muss.

Transformationsfonds

Die Modernisierung der Krankenhausstrukturen in Deutschland wird in den kommenden zehn Jahren mit insgesamt bis zu 50 Milliarden Euro von Bund und Ländern gefördert werden. Gefördert werden beispielsweise die Bildung integrierter Notfallstrukturen oder das Zusammenlegen von Krankenhausstandorten. Mittel aus dem Transformationsfonds könnten dem Schwarzwald-Baar Klinikum für anstehende Investitionen zu Gute kommen. Auch die Schließung von Krankenhäusern gehört zum Fördertatbestand.

Historie: Entscheidungen und Informationen

2024

Juli 2024

Beschluss: Beauftragung Beratungsunternehmen

Der Aufsichtsrat beschließt im Juli 2024, dass ein spezialisiertes Beratungsunternehmen mit einer umfassenden Wirtschaftlichkeitsanalyse der vorhandenen Leistungen beauftragt wird. Im September 2024 wird ein ergänzendes Gutachten zur Medizinstruktur beauftragt.

Ziel ist es, einen Betrieb sicherzustellen, der den neuen gesetzlichen Anforderungen entspricht und der es dem Klinikum ermöglicht, wirtschaftlich tragfähig zu sein.


2025

Im Jahr 2025 beschäftigt sich der Aufsichtsrat des Klinikums intensiv mit den Auswirkungen der Krankenhausreform, mit der Frage nach der zukünftigen strategischen Ausrichtung des Klinikums sowie möglichen Lösungswegen.

Februar 2025

In seiner Sitzung am 13. Februar 2025 beschließt der Aufsichtsrat auf Grundlage der gutachterlichen Empfehlung, dass die Geschäftsführung des Schwarzwald-Baar Klinikums im nächsten Schritt überprüfen soll, welche Auswirkungen es auf den Standort Villingen-Schwenningen hätte, wenn Leistungen, die bisher am Standort Donaueschingen erbracht werden, an den Standort Villingen-Schwenningen verlagert würden.

Das Gutachten

Hintergrund dafür ist das Ergebnis der Gutachter, die zu dem Ergebnis gekommen sind, dass es aus wirtschaftlicher Sicht am besten wäre, mittelfristig alle stationären medizinischen Leistungen von Donaueschingen nach Villingen-Schwenningen zu verlagern. Deshalb wird für die mittelfristige Verlagerung aller stationären medizinischen Leistungen an den Standort Villingen-Schwenningen ein weiteres Gutachten beauftragt, das konkretere Hinweise zu notwendigen Investitionen, deren Wirtschaftlichkeit und den Umsetzungszeiträumen macht. Darüber hinaus beginnt das Klinikum damit, zu prüfen, wie die Umwandlung des Standorts Donaueschingen zu einer orthopädischen Fachklinik erfolgen könnte.

September 2025

Beschluss: Umwandlung des Klinikums-Standorts Donaueschingen in eine orthopädische Fachklinik

In einer Sondersitzung am 25. September 2025 beschließt der Aufsichtsrat, die Planungen für die Umwandlung des Klinikums-Standorts Donaueschingen in eine orthopädische Fachklinik weiterzuverfolgen. Dazu gehört auch, dass mehrere Fachabteilungen des Schwarzwald-Baar Klinikums vom Standort Donaueschingen an den Standort Villingen-Schwenningen umgesiedelt werden – das Lungenzentrum mit der Intensivmedizin sowie die Altersmedizin. Darüber hinaus wird das Schwarzwald-Baar Klinikum am Standort Donaueschingen zukünftig keine Notaufnahme mehr betreiben.

Oktober 2025

Gesellschaftergremien – Zukunft Standort Donaueschingen

Offen ist zu diesem Zeitpunkt, ob der Klinikums-Standort Donaueschingen dauerhaft weiterbetrieben oder nach einer Übergangsphase doch aufgegeben wird. Das ist eine Entscheidung, die von den Gesellschaftergremien – also der Kreistag des Schwarzwald-Baar-Kreises und der Gemeinderat der Stadt Villingen-Schwenningen – getroffen werden muss. Die Mitglieder der beiden Gremien werden am 11. Oktober 2025 in einer nicht-öffentlichen Sitzung umfänglich über die Ergebnisse der Gutachten und der Prüfaufträge informiert.

Ergebnisse des Gutachtens:

Sechs Möglichkeiten wurden genauer geprüft. Kriterien dabei waren gesetzliche Anforderungen, notwendige Investitionen, Kosten im laufenden Betrieb, Förder-möglichkeiten, Auswirkungen auf interne Abläufe und Organisation sowie Bedarfe der Klinikums-Beschäftigten. Vier der Möglichkeiten wiesen kein gutes Ergebnis in der Prüfung auf, so dass zwei Optionen übriggeblieben sind. Beide würden die gesetzlichen Anforderungen erfüllen und zur wirtschaftlichen Stabilität beitragen:

Option 1: Der Standort Donaueschingen würde langfristig als orthopädische Fachklinik betrieben werden.

Option 2: Der Standort Donaueschingen würde für die Dauer eines Übergangszeitraums als orthopädische Fachklinik geführt werden. In dieser Zeit soll ein Anbau am Standort Villingen-Schwenningen geplant und erstellt werden. Alle Fachabteilungen würden an den Standort Villingen-Schwenningen umgesiedelt werden.

Im Vergleich der genannten beiden Möglichkeiten zeigt sich, dass die Option, bei der in ein paar Jahren alle Fachabteilungen an den Standort Villingen-Schwenningen umgezogen werden, weniger Kosten verursacht und damit besser zur wirtschaftlich angespannten Lage passt. Ein wesentlicher Faktor in der Berechnung ist der hohe Investitions- und Sanierungsstau am Standort Donaueschingen. Zudem würden sich Vorteile aus der Kompetenzbündelung und Spezialisierung ergeben.

Hinsichtlich der Notfallversorgung: Laut Gutachten würde sich die Versorgungssituation von Notfällen im südlichen Landkreis dabei kaum verändern, da dringliche Notfälle wie beispielsweise Patienten mit Schlaganfall oder Herzinfarkt heute schon am Standort Villingen-Schwenningen behandelt würden. Die Gutachter führen aus, dass bereits 90 Prozent aller Notfälle aus dem südlichen Landkreis am Standort Villingen-Schwenningen aufgenommen werden.

Öffentliche Informationsveranstaltung – Krankenhausstruktur im Schwarzwald-Baar Kreis

Das Landratsamt, die Stadt Villingen-Schwenningen und das Schwarzwald-Baar Klinikum informieren im Rahmen einer öffentlichen Informationsveranstaltung am 11. Oktober 2025 in der Neckarhalle in VS-Schwenningen interessierte Bürger über den aktuellen Diskussionsstand.

Dezember 2025

Sozialministerium – Förderung von Investitionen

Im Dezember 2025 ist das Klinikum mit dem Sozialministerium bezüglich der Rahmenbedingungen für eine etwaige Förderung im Austausch. Das Ministerium unterstützt das Klinikum in dem eingeschlagenen Kurs.


2026

März 2026

Gesetz zur Anpassung der Krankenhausreform (KHAG)

Im März 2026 wird das Gesetz zur Anpassung der Krankenhausreform beschlossen (KHAG). Die strukturellen Vorgaben des KHVVG sind weitgehend unverändert – die so genannte Zwei-Kilometer-Regelung und die im Gesetz enthaltenen Vorgaben gelten weiter.

Geändert hat sich lediglich, dass der Übergang zur neuen Struktur flexibler gestaltet werden kann als bislang vorgesehen. Das Land Baden-Württemberg kann Ausnahmen erlauben, so dass Kliniken von den strengen Strukturvorgaben der Leistungsgruppen abweichen – allerdings maximal für eine Dauer von sechs Jahren. Aber ob und in welchem Umfang diese Erlaubnis vom Land erteilt würde, ist unklar.

Davon abgesehen gibt es gemäß dem KHAG noch keine genaue Fachklinik-Definition – die bisherige Regelung wurde gestrichen und wird bis 2029 neu festgelegt.

Der Klinikums-Standort Donaueschingen muss spätestens innerhalb der kommenden sechs Jahre gesetzeskonform aufgestellt werden. Diese Anforderungen zu erfüllen, bleibt zeitlich anspruchsvoll.

April 2026

Gutachten Donaueschingen

Am 7. April 2026 veröffentlicht die Stadt Donaueschingen ein von ihr im Herbst 2025 beauftragtes Gutachten zum Klinik-Standort Donaueschingen. Dieses bestätigt im Kern die Aussagen des ursprünglichen Gutachtens. Und auch im Donaueschinger Gutachten wird die Konzentration der stationären Patientenversorgung auf den Standort Villingen-Schwenningen als aus finanzieller Sicht sinnvollste Option beschrieben.

Informationen für die Gremien

Am 15. April 2026 wird der Kreistag und der Gemeinderat Villingen-Schwenningen in einer nicht-öffentlichen Sitzung über den aktuellen Stand informiert.

Öffentliche Informationsveranstaltung – Krankenhausstruktur im Schwarzwald-Baar Kreis

Das Landratsamt, die Stadt Villingen-Schwenningen und das Schwarzwald-Baar Klinikum informieren im Rahmen einer öffentlichen Informationsveranstaltung am 15. April 2026 in den Donauhallen in Donaueschingen interessierte Bürger über den aktuellen Diskussionsstand. Auch die Ergebnisse des Donaueschinger Gutachtens werden thematisiert.

Empfehlungsbeschluss im Aufsichtsrat

In der Sondersitzung am 30. April 2026 beschließt der Aufsichtsrat, den Träger-Gremien zu empfehlen, den Klinikums-Standort Donaueschingen nach einer Übergangsphase aufzugeben.

Kreistagssitzung 11. Mai 2026

Der Kreistag des Schwarzwald-Baar-Kreises tagt am Montag, 11. Mai, um 15 Uhr im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes in VS-Villingen. In der Sitzung wird über die weitere Zukunft des Schwarzwald-Baar Klinikums mit der Betriebsstätte Donaueschingen beraten und beschlossen.

Gemeinderat der Stadt Villingen-Schwenningen 20. Mai 2026

Der Gemeinderat der Großen Kreisstadt Villingen-Schwenningen befasst sich mit dem Thema der weiteren Zukunft des Klinikums Donaueschingen am Mittwoch, 20. Mai, um 16 Uhr in der Neckarhalle in VS-Schwenningen.

Frühjahr bis Herbst 2026

Notwendige Vorarbeiten laufen

Für die Umwandlung des Standorts Donaueschingen in eine orthopädische Fachklinik gemäß dem Beschluss des Aufsichtsrats vom 25. September 2025 sind umfangreiche Vorarbeiten notwendig. Unter anderem werden zusätzliche helle, moderne Räumlichkeiten und Arbeitsplätze am Standort Villingen-Schwenningen geschaffen.

Darüber hinaus soll weiterer Parkraum entstehen, den alle Klinik-Beschäftigten nutzen können. Geplant wird ein sechsstöckiges Parkhaus. Die Bauarbeiten dazu sollen im Herbst 2026 beginnen, die Fertigstellung wird 2027 sein. Damit können auch die vorhandenen Übergangs- und Außenparkplätze aufgegeben werden und das Besucherparkhaus wird entlastet. Außerdem plant das Klinikum, einen Interimsparkplatz zur vorübergehenden Nutzung in unmittelbarer Nähe zum vorhandenen Mitarbeiterparkplatz anzulegen, weil während der Bauphase des Parkhauses ein Teil des vorhandenen Mitarbeiterparklatzes nicht genutzt werden kann.

Ende 2026/Anfang 2027: Fachabteilungen ziehen um

Mehrere Fachabteilungen des Schwarzwald-Baar Klinikums werden Ende 2026/Anfang 2027 vom Standort Donaueschingen an den Standort Villingen-Schwenningen umziehen – das Lungenzentrum mit der Intensivmedizin sowie die Altersmedizin.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird die Notaufnahme am Standort Donaueschingen aufgegeben. Die Versorgung schwerwiegender Notfälle bleibt unverändert: Bereits jetzt werden alle schwerwiegenden Notfälle nach Villingen-Schwenningen gebracht. Dazu gehören zum Beispiel Patienten mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder Polytraumen nach schweren Verkehrsunfällen. Entscheidend für die Genesung ist im Krankheitsfall die Qualität der Versorgung. Es gibt mehrere Notarztstandorte im Schwarzwald-Baar-Kreis. Das Angebot von Rettungswagen und Notarzt bleibt in Donaueschingen bestehen.


2027

Leistungsspektrum Standort Donaueschingen

Am Standort Donaueschingen werden zunächst weiterhin die Abteilungen für Dermatologie und Allergologie sowie die Psychosomatische Medizin, die Schmerzmedizin und das Kontinenzzentrum Südwest angesiedelt sein. Im ambulanten Bereich bleiben das MVZ Gynäkologie, Pneumologie und Chirurgie sowie das ambulante OP-Zentrum im Leistungsangebot erhalten. 

Ausblick

Es soll ein Anbau am Standort Villingen-Schwenningen geplant und umgesetzt werden.

Nach Beschlussfassung durch die Gremien wird das Schwarzwald-Baar Klinikum in die Planung einsteigen. Außerdem wird das Klinikum damit beginnen, die Finanzierungsbedingungen und die Fördermöglichkeiten durch das Land Baden-Württemberg zu klären.