Historische Vielfalt einer vielfältigen Region Der »Aktionstag Geschichte« fand in St. Georgen statt
Am Sonntag, 1. März, fand der neunte „Aktionstag Geschichte in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg“ in der Stadthalle St. Georgen statt.
Der Aktionstag richtet sich seit vielen Jahren an die Geschichtsinteressierten in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg. 26 Vereine, Initiativen und Institutionen zwischen Schiltach und Mühlheim an der Donau sowie zwischen Sulz am Neckar und Furtwangen waren diesmal dieser Einladung gefolgt und präsentierten sich und ihre Arbeit auf einer Geschichtsmesse. Es geht darum, „s’Eige zu zeige“, wie Kreisarchivar Clemens Joos in seinem Grußwort formulierte, nämlich darum, die jeweilige Lokalgeschichte und die verschiedensten Aktivitäten dafür vorzustellen. Beim Blick über die Halle entstand ein vielfältiges und farbenfrohes Bild: Die Besucherinnen und Besucher bekamen unter anderem einen Perkussionskarabiner aus Oberdorfer Produktion (Museum im Schwedenbau), das Häs eines Möhringer Hansele (Heimatkreis Möhringen), die Offizierskiste des im ersten Weltkrieg gefallenen Prinzen Fritzi, Prinz Friedrich Eduard zu Fürstenberg (Fürstlich Fürstenbergisches Archiv), Repliken von Gegenständen, die im Römerbad Wurmlingen (Museum und Förderkreis Römisches Bad Wurmlingen) gefunden wurden, Gegenstände des bäuerlichen Alltags aus der Vergangenheit (Bauernmuseum Pfarrscheuer Bösingen) oder die Dokumentation der einstigen Uhrenfabrikation in Mühlheim (Heimatverein Mühlheim a.d.D.) zu sehen. Sie stehen für die historische Vielfalt, die die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg auszeichnet und die heute ihren kulturellen Reichtum ausmacht.
Doch so unterschiedlich die historischen Entwicklungen auch waren, so einmütig engagieren sich die verschiedenen Beteiligten heute für deren Erforschung und Vermittlung und das häufig im Ehrenamt. Dieses Engagement wurde von Landrat Sven Hinterseh in seinen Begrüßungsworten besonders hervorgehoben: „Was Sie leisten, ist bürgerschaftliches Engagement in Reinstform“. Bürgermeister Michael Rieger begrüßte die Anwesenden mit einem Blick auf die Geschichte der Stadt St. Georgen, die als Ort eines bedeutenden Reformklosters, als württembergisches Amt und als Industriestadt seit bald 950 Jahren von den unterschiedlichsten historischen Epochen geprägt wurde und sich dabei immer wieder neu erfinden musste und muss.
Die Geschichtsmesse wurde flankiert von einer Vortragsreihe zum Thema „Aufbegehren, Widerstand, Protest in der Geschichte“, in der zehn Referenten Schlaglichter auf unterschiedlichste Themen und Zeiten, vom Bauernkrieg vor 500 Jahren bis zur Gemeindereform vor 50 Jahren, warfen, und damit zeigten, dass Geschichte auch in der Vergangenheit nicht immer nur von „oben“ gemacht wurde, sondern die Bevölkerung ein ordentliches Wort mitzureden hatte. Selbst in der Tracht der Raumschaft St. Georgen konnte Martin Grießhaber aus Tennenbronn eine trotzige Aneignung von Kleidungsformen der Obrigkeit erkennen, die der einfachen Bevölkerung eigentlich verboten waren. In einem einführenden Vortrag zeichnete Prof. Dr. Ulrich Eith von der Universität Freiburg nach, wie Bürgerprotest in den vergangenen 70 Jahren von etwas, das „man“ eigentlich „nicht macht“, zu einer selbstverständlichen Form der politischen Kommunikation geworden ist und heute eine wichtige Ergänzung zur repräsentativen Demokratie darstellt, sofern damit tatsächlich ein Mehrheitswille und nicht nur die Interessen einzelner zum Ausdruck gebracht würden. Mit diesem Vortrag wurden die Zuhörerinnen und Zuhörer wieder mitten in das Jetzt und Hier versetzt und spätestens damit wurde deutlich, dass der Blick zurück unmittelbar zum Verständnis der eigenen Gegenwart beiträgt.