Staatssekretärin übergibt zweiten Bewilligungsbescheid für das Zusammenlegungsverfahren Furtwangen-Rohrbach/Schönenbach
Staatssekretärin Sabine Kurz vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden‑Württemberg hat im Sitzungssaal des Rathauses Furtwangen den zweiten Bewilligungsbescheid für das Flurneuordnungsverfahren Furtwangen‑Rohrbach/Schönenbach an den Vorsitzenden der Teilnehmergemeinschaft, Björn Linhard, überreicht. Sie vertrat Minister Peter Hauk (MdL). Für den Schwarzwald‑Baar‑Kreis nahm Dr. Silke Lanninger, Dezernentin Ländlicher Raum, als Vertreterin des Landrats teil. Das Flurneuordnungsamt war durch den leitenden Fachbeamten und Verfahrensleiter Werner Obergfell vertreten. Seitens der Teilnehmergemeinschaft war zudem Stellvertreter Horst Kern anwesend. Bürgermeister Florian Merz sowie die örtliche Landtagsabgeordnete Martina Braun begleiteten den Termin.
„Als ich meine Arbeit im Ministerium aufgenommen habe, dachte ich zunächst, die Flurneuordnung sei ein Instrument der Vergangenheit. Doch sie hat sich weiterentwickelt und passt sich den aktuellen Herausforderungen an. Sie bleibt ein zentrales Werkzeug, um unsere Kulturlandschaft nachhaltig zu gestalten und die Landwirtschaft zu stärken“, sagte Staatssekretärin Sabine Kurz. „Ein zukunftsfähiges Wegenetz ist entscheidend, damit unsere landwirtschaftlichen Betriebe wettbewerbsfähig bleiben. Die vergangenen Jahre haben der Landwirtschaft viel abverlangt – umso mehr freut es uns, dass wir mit dieser Förderung einen spürbaren Beitrag zur Unterstützung des ländlichen Raums leisten können.“
Mit dem zweiten Bewilligungsbescheid können die nächsten Umsetzungsschritte vorbereitet werden. Die zweite Tranche umfasst Investitionen von rund 1,14 Millionen Euro, die zu 85 Prozent aus Bundes- und Landesmitteln gefördert werden. Sie beinhaltet zudem eine Kostenanpassung der ersten Bautranche. Diese erste Tranche wurde bereits im September 2025 bewilligt und umfasst rund 700.000 Euro, davon 593.000 Euro Förderung. Die öffentliche Ausschreibung des ersten Bauabschnittes läuft derzeit; der Baubeginn ist für Mitte April 2026 vorgesehen. Die zweite Bautranche soll zeitnah folgen.
Dr. Silke Lanninger betonte die Bedeutung des Projekts für den Landkreis: „Das Verfahren stärkt unsere Kulturlandschaft, verbessert die Bewirtschaftungsbedingungen und schafft zugleich ökologische und strukturelle Mehrwerte. Es ist ein Gewinn für Landwirtschaft, Natur und Bevölkerung.“
Für die Stadt Furtwangen hat das Verfahren eine besondere Relevanz. Viele landwirtschaftliche Betriebe bieten Ferienwohnungen an – eine gute Erreichbarkeit der Höfe ist daher ein wichtiger Faktor für den Tourismus. Auch die geplante Stärkung der Direktvermarktung profitiert von einer leistungsfähigen Infrastruktur: Gut ausgebaute Wege erleichtern Kundinnen und Kunden den Zugang zu den Höfen und unterstützen regionale Wertschöpfungsketten. Darüber hinaus eröffnet eine moderne Erschließung neue Perspektiven für Kooperationen, etwa mit der Hochschule Furtwangen, die für Veranstaltungen oder studentische Projekte auf geeignete Räumlichkeiten im ländlichen Raum angewiesen ist.
Bürgermeister Florian Merz unterstrich diesen Aspekt: „Mit den Flurneuordnungsmaßnahmen rückt der ländliche Raum wieder näher an die Stadt. Eine gute Infrastruktur ist entscheidend, damit alle Bürgerinnen und Bürger gut erreichbar sind – und damit unsere Höfe, Direktvermarkter und touristischen Betriebe eine echte Zukunftsperspektive haben.“
Das Flurneuordnungsverfahren verfolgt zentrale Ziele für eine zukunftsfähige Nutzung der Kulturlandschaft: die Erschließung abgelegener Hoflagen, ein modernes Wegenetz für Feld und Wald, rechtliche Sicherungen der Wege, betriebswirtschaftliche Verbesserungen sowie eine bessere Zugänglichkeit der Landschaft für Erholungssuchende.
Mit einer Gesamtgröße von 2.065 Hektar, davon 1.329 Hektar Wald, zählt das Verfahren zu den größeren Schwarzwaldverfahren. Die Teilnehmergemeinschaft umfasst 158 Beteiligte mit insgesamt 390 Grundstücken. In der zweiten Tranche sind unter anderem der Ausbau von 950 Metern Schotterwegen, 1.277 Metern Asphaltwegen und 212 Metern Pflasterwegen vorgesehen.
Besonders hervorzuheben sind die umfangreichen ökologischen Ausgleichsmaßnahmen, die das Landschaftsbild aufwerten und die Biodiversität stärken: Waldrandgestaltungen, die Entwicklung artenreicher Mähwiesen, neue Kleingewässer für Amphibien, der Schutz binsenreicher Nasswiesen sowie vielfältige Baumpflanzungen.
Das Verfahren ist Teil des Schwarzwaldprogramms von 1973 und berücksichtigt die besonderen naturräumlichen Anforderungen des Gebiets. Es umfasst rund 15,6 Hektar Offenland- und 14,9 Hektar Waldbiotope sowie Flächen eines FFH‑ und eines Vogelschutzgebiets. Eine Umweltbaubegleitung stellt sicher, dass besonders geschützte Arten während der Umsetzung bestmöglich berücksichtigt werden. Die Genehmigung des Ausbauplans liegt bereits vor; der Beginn der Baumaßnahmen ist für Sommer 2026 vorgesehen.
Die Teilnehmergemeinschaft arbeitet eng mit dem Flurneuordnungsamt zusammen, um das Wegenetz an die Bedürfnisse der Beteiligten anzupassen. Der Vorstand fungiert als Sprachrohr der Teilnehmenden und bringt die Interessen der Eigentümerinnen und Eigentümer ein. Auch die Stadt Furtwangen ist in den Vorstandssitzungen vertreten und unterstützt das Verfahren aktiv. Die Staatssekretärin würdigte ausdrücklich das große Engagement aller Beteiligten vor Ort.
Weitere Informationen zum Verfahren sowie Unterlagen stehen auf der Projektseite des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung Baden‑Württemberg zur Verfügung: www.lgl-bw.de/3154