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Im Rückblick

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Der Schwarzwald-Baar-Kreis entstand im Jahr 1973 im Zuge der Kreisreform. Die ehemaligen Landkreise Villingen und Donaueschingen sowie Teilstücke der Landkreise Rottweil, Tuttlingen, Konstanz und Hochschwarzwald wurden zu einem der neuen 35 Landkreise in Baden-Württemberg verschmolzen. Der Schwarzwald-Baar-Kreis zählt mit einer Fläche von 1.025 km² und 20 Städten und Gemeinden zu den mittelgroßen Landkreisen. Vom Gründungstag bis heute hat sich im Schwarzwald-Baar-Kreis viel getan. Aus dem neuen, zunächst nur gesetzlich zusammengefügten Konstrukt aus vielen Elementen ist ein gemeinsames Ganzes entstanden.

Unsere Landräte

Die Landräte des Landkreises Donaueschingen 1945–1972:

1945: Erwin Trippel (Amtsverweser)
1945: Dr. h.c. Max Egon Prinz zu Fürstenberg
1945: Dr. h.c. Fritz Mauthe
1945-1972: Dr. Robert Lienhart

Die Landräte des Landkreises Villingen 1945–1972:

1945-1947: Karl Paul Bienzeisler
1947-1948: Dr. Othmar Diele (kommissarisch)
1948-1972: Dr. Josef Astfäller

Die Landräte des Schwarzwald-Baar-Kreises seit 1973:

1973-1996: Dr. Rainer Gutknecht
1996-2012: Karl Heim
seit 01.06.2012: Sven Hinterseh

Geschichte des Landkreises

5000 Jahre zuvor...

Die Menschen der Jungsteinzeit schätzten bereits die von fischreichen Gewässern durchzogene und wildreiche Vorbergzone des Schwarzwaldes, wie unweit des Neckarursprungs am Rande des Schwenninger Mooses entdeckte bandkeramische Scherben und Gebrauchsgegenstände vermuten lassen. Für diese Zeit hat auch ein Fund in einem verlandeten See aus der Schwenninger Seenstraße einen ersten archäologischen Höhepunkt beschert. Man fand das Skelett eines Ur- oder Auerochsen, den vor etwa 5.000 Jahren der Pfeil eines Jägers getroffen hatte. Drei Zentimeter war die Pfeilspitze, ein Mikrolith, in den Schulterknochen eingedrungen, was von der Gefährlichkeit dieser rustikalen Waffe und der frühen Besiedlung dieses Feuchtgebietes zeugt.

1700 vor Christus

Das Kreisgebiet wurde nach dem ersten Jahrtausend vor Christus zum Kernbereich der keltischen, nordwestalpinen Hallstatt-Kultur. Die zahlreichen Grabhügel, soweit nicht der Hügelgräberbronzezeit (zirka 1700 bis 1250 v. Chr.) zuordbar, und geheimnisvolle Wall- und Befestigungsanlagen künden von der Besiedlung durch die Kelten ab etwa der Mitte des achten Jahrhunderts v. Chr., die mit dem Fürstengrab Magdalenenberg nahe Villingen eines der herausragendsten Zeugnisse keltischen Lebens in Mitteleuropa oder mit Laubenhausen bei Hammereisenbach vielleicht eine geheimnisvolle Großsiedlung hinterlassen haben. Der von Herodot erwähnte keltische Ort „Pyrene“ soll sich auf Pfohren beziehen, das damit der älteste schriftlich erwähnte Ort nördlich der Alpen wäre. Der früheste schriftliche Beleg dafür, dass der Landkreis schon in der Antike als das Quellenland angesehen wurde, findet sich in der Bemerkung des Geographen Strabon, dass Tiberius, Adoptivsohn des Augustus und Kopf einer römischen Heeresgruppe, im Jahre 15 n. Chr. die Quellen der Donau (Istros) gesehen habe.

263 nach Christus

Die durch die Römer erfolgte Durchdringung und Erschließung des Gebietes mit Kastellen wie in Hüfingen, Straßen gar über den Schwarzwald, dann landwirtschaftlichen Gehöften (Villa rustica) und die gelegentlich bei Bauarbeiten und Grabungen zutage tretenden, in frischen Farben leuchtenden Wandbemalungen der in der Völkerwanderungszeit nach 263 n. Chr. zerstörten Wohnanlagen lassen ein dicht besiedeltes römisches Quellenland vermuten. Auch die Römerzeit hat den Nachkommen zuletzt noch einmal ein Schlaglicht hinterlassen. So zählt das Liebesgedicht des 368 n. Chr. mit Kaiser Valentinian letztmalig an die obere Donau vorgestoßenen Dichters Ausonius an die wohl im heutigen Landkreis erbeutete und später geehelichte Alemannin Bissula zur Weltliteratur.

Die meisten Orte der nach 263 n. Chr. in großer Zahl eingedrungenen Alemannen, die ab dem 7. Jahrhundert unter die Herrschaft der Merowinger gerieten und Teil des Frankenreiches wurden, haben bis heute überdauert. Namentlich und mit Erstnennung nachweisbar sind sie vielfach im Urkundenbestand des Kloster St. Gallen. Andere frühe Ortsnennungen finden sich in den Dokumenten weiterer großer südwestdeutscher Klöster, des Bistums Konstanz und schließlich der Fürsten zu Fürstenberg. Die Nachfahren der einflussreichen alemannischen Familien und ihre Machtzentren mögen dann wohl, nach der Verwüstung des Landes durch die ungarischen Steppenreiter 925 n. Chr., zu jenen Städten und Gemeinden des heutigen Quellenlandes geworden sein, die sich im frühen Mittelalter als burgenbewehrte Zentralorte entstehender Kleinterritorien oder regionale und städtische Verwaltungs- und Militärstützpunkte großer Herrschaftsgeschlechter wie der Zähringer präsentieren.

1000

Ab der Jahrtausendwende, fächert sich das heutige Kreisgebiet in eine Vielzahl von Kleinstherrschaften auf, in denen sich in buntem Gemenge älterer Besitz und Rechte von Königtum, Orden, Städten und Adelsfamilien finden. Im Zentrum des heutigen Landkreises bildetete sich das Fürstentum Fürstenberg und das Haus Habsburg als zentrale Mächte heraus, wohingegen sich in den Randbereichen klösterliche und niederadelige Gebiete mit größeren Territorial- oder Stadtherren, später auch vermögenden Bürgern oder Institutionen, abwechselten. Im Süden des Kreises gehörte Kommingen den Reichsfürsten von Auersperg, Nordhalden und Epfenhofen der Deutschordenskommende Mainau, die Stadt Schaffhausen beanspruchte Rechte im heutigen südlichen Kreisgebiet, Achdorf und Fützen zählten zur Fürstabtei St. Blasien, das Kloster St. Peter besaß die Grundherrschaft Neukirch bei Furtwangen, das Waldkircher St. Margarethenkloster diejenige über Gütenbach und Rohrbach. Hier aber begann auch bereits das Regnum des Hauses Habsburg. Von Furtwangen bis Gremmelsbach zog sich dieses vorderösterreichische Amt, dessen Verwaltungssitz das 1355 durch Kauf an Österreich gelangte Triberg trotz seines Kümmerdaseins mit 1525 kaum 20 Häusern war.

Herausragendster Besitz des Hauses Habsburg war jedoch Villingen. Das Gebiet der 999 n. Chr. mit Markt-, Münz- und Zollrecht versehenen Zähringerstadt war früh besiedelt. Nach kurzem Intermezzo als staufische Reichsstadt gelangte Villingen erst in die Hand der Fürstenberger und schließlich 1326 für 479 Jahre an das Haus Österreich. Neben Villingen ist es noch die etwa 30 Kilometer südwestlich gelegene, 1415 für zehn Jahre reichsfreie einst zähringische Stadt Bräunlingen, welche in der Vergangenheit seit 1305 das vorderösterreichische Leben in der Region vertrat.

1305

Größeres historisches Gewicht besitzen jedoch die mit der Landgrafschaft in der Baar als wichtigstem Legitimationstitel versehenen Fürstenberger. Sie konnten zwar außerhalb der Baar ihr zähringisches Erbe abrunden, verloren hingegen 1305 Bräunlingen und 1326 Villingen an das Haus Habsburg. Von diesen Verlusten konnten sich die 1664 in der Heiligenberger Linie gefürsteten Grafen nicht mehr richtig erholen und erst einträgliche kaiserliche Dienste, glückliche Heiraten und Erwerbungen vom 14. bis 16. Jahrhundert schufen wieder eine gewisse Stabilität. Zentrum des am Ende als Konglomerat von Herrschaften, Vogteien und Ämtern dem Reichsende entgegen gehenden Territoriums wurde das 1488 erworbene und erst 1716 zum Hauptsitz der Familie erklärte, mit repräsentativem Schloss und weiteren Bauten versehene Donaueschingen, dessen Residenzcharakter bis zum heutigen Tage unübersehbar ist.

1620

Während das 1244 als Verwaltungs- und Wirtschaftsort im oberen Bregtal errichtete Vöhrenbach dem Haus rasch entglitt, blieb die 1620 erkaufte Amtsstadt Hüfingen bis zum Ende des Alten Reiches in fürstenbergischem Besitz und wurde zu einem durch bürgerliche Kunst und Kultur geprägten Beamten- und Verwaltungsstädtchen mit teilweise landesweiter Ausstrahlung. Die noch südlicher gelegene Amtsstadt Blumberg erlebte nur im 17. und 18. Jahrhundert durch den Erzabbau eine kurze Blüte. Hier wurden übrigens erstmalig zum Transport des Erzes Kamele eingesetzt.

1806

Im Unterschied zur südlichen Baar, wo sich das kleinadelige Element neben den klösterlichen Herrschaften lange erhalten hat, verschwanden die weltlichen Kleinstherren im nördlichen Kreisgebiet rascher. Beherrschend auf der Schwarzwaldhöhe war lange das 1084 gegründete Kloster St. Georgen. Aus dessen nördlichen Besitzteilen schuf das seit dem 16. Jahrhundert vordrängende Herzogtum Württemberg das fast bis an die Tore Villingens reichende (evangelische) Klosteramt St. Georgen. Auf diesem württembergisch-protestantischen Boden erbauten 1806 die Anhänger des Grafen Zinzendorf das bis heute durch das klassizistische Zentrum und das Schulwerk der Brüder-Gemeine geprägte Königsfeld.

1907

Wo im Westen die Fürstenberger bei niederadligen Ortschaften nicht zugriffen, erschien hie 1377 hie 1444 das Wappenschild mit den drei Geweihen in Öfingen, Oberbaldingen, Sunthausen oder Tuningen. Zu diesen weiteren württembergischen Erwerbungen gehört auch das später zum bedeutenden Industriestandort und 1907 zur Stadt gewordene Schwenningen, wohingegen das nahe Mühlhausen erst 1803 hinzukam. Ein guter Teil der östlich und nordöstlich vom einstigen St. Georgener Gebiet liegenden kleinen Ortschaften – Fischbach, Niedereschach, Dauchingen, Weilersbach, Mühlhausen - fielen als Konkursmasse des untergehenden Rittertums an die Reichsstadt Rottweil, deren Bruderschaft oder Bürger. Die Johanniter schließlich kamen zu größeren Besitzungen in der Nord- und Ostbaar. Von ihrer 1257 gegründeten Komturei am Villinger Bickentor aus erwarben sie zumeist von Villinger Patriziern die Ortsherrschaften in Neuhausen, Obereschach, (Bad) Dürrheim und Weigheim, doch auch einigen Besitz in Grüningen.

nach 1939

In der Neuordnung der napoleonischen Zeit und kurz darauf des Großherzogtumes Baden 1806 verschwanden die alten Rechts- und Territorialverhältnisse. Über das Quellenland legte der badische Staat ein Netz von Bezirksämtern, die im Großen und Ganzen überkommene Territorialgrenzen respektierten. Verwaltungsreformen haben auch hier noch einmal abgerundet und reduziert, so dass am Ende, nach 1939, die Landratsämter Donaueschingen und Villingen fast den ganzen heutigen, am 1.1.1973 ins Leben getretenen Schwarzwald-Baar-Kreis verwalteten. Kennzeichnend für die letzten 150 Jahre ist eine durchgreifende Modernisierung der Infrastruktur insbesondere auf den Gebieten des Schulwesens und des Verkehrs (zum Beispiel Schwarzwaldbahn), eine kulturelle Entwicklung mit der Entstehung von fördernden Zusammenschlüssen und Instituten, sowie einer rasch aufkommenden Uhrenindustrie mit verwandten oder zuliefernden Industriezweigen. Die in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhundert errichteten Garnisonen in Villingen und Donaueschingen waren städtebaulich und sozial prägend. Die auf vielerlei Weise zerstörend wirkende, verheerende Episode des Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg mit seinen bis auf ganz wenige Ausnahmen im Vergleich moderaten Zerstörungen unterbrachen die Entwicklung des Quellenlandes. Neubeginn und Aufschwung folgten den großen Linien der (west-)deutschen Nachkriegsgeschichte, begleitet von dem Neuerstarken der Uhren(groß)industrie.

Eine sozialgeschichtliche Ausnahme bildet hierbei das im Nationalsozialismus zu einem erratischen Block in der Geschichte des südlichen Baden-Württemberg gewordenen Blumberg. Durch forcierten Abbau der Doggererze an den Hängen und dem Aufbau einer Bergarbeitersiedlung, zuletzt Rüstungsindustrie für 10.000 Menschen aus dem ganzen Deutschen Reich verlor der alte Baar-Ort sein vertrautes Gesicht und die regionale Verwurzelung. Jahrelange Bemühungen, vor allem in den letzten Jahrzehnten, haben jedoch Stadt und Umland ausgesöhnt und städtebaulich beachtliche und zukunftsweisende Akzente gesetzt.

1973

Seit dem Entstehen des Quellenlandkreises Schwarzwald-Baar-Kreis 1973 und bis vor etwa 10 Jahren ist vor allem Wirtschafts- und Städtebaugeschichte sowie Gesundheitsgeschichte und Bildungsgeschichte geschrieben worden. Die Landwirtschaft durchlebt bis heute einen Konzentrations- und Modernisierungsprozess mit ökologischen Komponenten. Aus der in den 1970er Jahren zusammengebrochenen Uhrenindustrie entstand am Ende durch Diversifizierung und Neubeginn ein breites Spektrum an Hochtechnologieunternehmen und mittelständischen Marktführern. Fachhochschulen siedelten sich an und veränderten die Bildungslandschaft. Mit der nach 1989 begonnenen Aufgabe weiter Kasernenbereiche vor allem in Villingen oder der Neubebauung und Umwidmung von Industriebrachen begann eine städtebauliche Wandlung, die mit der Landesgartenschau 2010 eine vorläufigen Abschluss bildet.

Überall im Kreisgebiet veränderte sich zudem der in den 1960er Jahren entstandene für den Landkreis bedeutende Wirtschaftszweig des Kur- und Bäderwesens. Gesundheitsreform, demographischer Wandel und veränderte Lebensgewohnheiten haben hier eine Umformung hin zu einer entsprechenden Tourismuswirtschaft und Angeboten an angepassten Lebens- und Aufenthaltsformen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen angestoßen, die in ihren Auswirkungen erst in den kommenden Jahren sichtbar werden.