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01.07.2022

Gefährliche Pracht: Riesenbärenklau - Hobbygärtner und Landwirte werden zu erhöhter Vorsicht aufgerufen

Gesehen haben ihn die meisten Menschen schon einmal, den Riesenbärenklau, auch Herkulesstaude genannt. Mit seinen riesigen, tellerartigen Doldenblüten und der enormen Höhe von bis zu drei Metern fällt der Riesenbärenklau als markante Staude besonders ins Auge. Ihres prächtigen Anblicks wegen kam die Herkulesstaude im 19. Jahrhundert aus dem Kaukasus als Zierpflanze in mitteleuropäische Gärten. Was so schön anzusehen ist, birgt aber erhebliche Gesundheitsgefahren: Das Berühren der Pflanze kann im Zusammenwirken mit Sonnenlicht zu gefährlichen Hautreaktionen führen. Der Pflanzensaft enthält verschiedene Furanocumarine. Diese Substanzen können schwere Hautentzündungen mit starker Blasenbildung – ähnlich Verbrennungen dritten Grades! – hervorrufen. Besonders tückisch dabei ist, dass selbst Bekleidung keinen völligen Schutz vor der phototoxischen Wirkung des Riesenbärenklaus darstellt.

In diesen Wochen zeigen sich die markanten Blütenstände vor allem an Bahndämmen, Waldrändern, Bächen und Wiesen. Um schädliche Auswirkungen auf Spaziergänger oder spielende Kinder zu vermeiden, sind Straßenmeistereien und Bauhöfe verstärkt im Einsatz. Fachmännisch geschult und mit vollständiger Schutzkleidung ausgerüstet rücken sie den Herkulesstauden zu Leibe. Hobbygärtner, die die Pflanze selbst bekämpfen möchten, sollten vorher fachlichen Rat suchen: Unsachgemäßer Umgang mit dem Riesenbärenklau kann ohne weiteres im Krankenhaus enden.

Leider besitzt der Riesenbärenklau eine enorme Fortpflanzungskraft – auch einzelne, abseitsstehende Pflanzen müssen entfernt werden, um die weitere Ausbreitung einzudämmen. Land- und Forstwirte, auf deren Grundstücken sich der Riesenbärenklau schon angesiedelt hat, sollten daher rechtzeitig aktiv werden: Einzelne Pflanzen können im Frühjahr oder im Herbst mit der Wurzel ausgegraben werden. Wichtig hierbei ist, dass die oberen ca. 10 cm der Wurzelrübe entfernt werden, weil sich in diesem Teil die Regenerationsanlagen der Pflanze befinden. Bei größeren Beständen hilft der mehrjährige Einsatz einer tief arbeitenden Motorfräse, die Bestände soweit auszudünnen, dass die Wurzeln der verbleibenden Pflanzen ausgegraben werden können. Möglichst bevor die Pflanze zu blühen beginnt, müssen alle Blütenansätze entfernt werden.

Um eine weitere Verbreitung der äußerst widerstandsfähigen Samen zu verhindern, sollten die Blütenköpfe mit den Samen ausschließlich über den Restmüll entsorgt werden. Blätter, Stiele und Wurzeln können auf den beiden Kompostanlagen in Villingen und Hüfingen angeliefert werden. Dort wird das Material gehäckselt und bei über 70°C kompostiert. Hier besteht keine Gefahr, dass sich die Pflanze über diesen Weg weiterverbreitet. Eine Annahme bei den Recyclingzentren und Wertstoffhöfen sowie an den Grüngutsammelstellen ist nicht möglich, um das Verletzungsrisiko zu minimieren.

Wer beim Spazierengehen den Riesenbärenklau entdeckt, sollte sich von den Pflanzen fernhalten und die örtliche Gemeindeverwaltung verständigen. Bei Fragen rund um den Umgang mit dem Riesenbärenklau steht Ihnen die Naturschutzbehörde im Landratsamt unter der Rufnummer 07721/913-7604 (Sekretariat) zur Verfügung. Besitzer landwirtschaftlicher Nutzflächen und Gärten können sich auch an das Landwirtschaftsamt wenden (Tel. 07721/913-5300). Weitere Informationen, auch zu Gesundheitsgefahren und Bekämpfungsmöglichkeiten gibt es im Internet unter www.floraweb.de beim Bundesamt für Naturschutz.