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03.12.2019

Stefanie Kaiser ist neue Behindertenbeauftragte des Landratsamtes Schwarzwald-Baar-Kreis

Seit 1. November ist Stefanie Kaiser die neue Behindertenbeauftragte des Schwarzwald-Baar-Kreises. Sie ist die Nachfolgerin von Manfred Kemter, der Ende September in den Ruhestand getreten ist. Im Interview gibt es die Gelegenheit, Stefanie Kaiser besser kennen zu lernen.

Redaktion: Frau Kaiser, Sie haben lange die Selbsthilfekontaktstelle des Schwarzwald-Baar-Kreises geleitet und engagieren sich nun als Behindertenbeauftragte für den Landkreis wie kam es zu diesem Wechsel?

Stefanie Kaiser: „17 Jahre konnte ich dazu beitragen, dass sich neue soziale Räume durch die Entstehung neuer Selbsthilfegruppen eröffneten. Die Kraft, die einer solchen Gruppe Gleichbetroffener innewohnt, begeisterte mich immer wieder neu. Die Mitglieder der Gruppen haben vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten, um ihre Lebensbedingungen zu verbessern. Die vielen unterschiedlichen Erfahrungen der vergangenen Jahre spiegelten eines wider: Veränderung ist möglich! Und so nütze ich die Chance, mich beruflich weiter zu entwickeln und noch einmal ganz andere Akzente für den Umgang mit Menschen mit Behinderungen setzen zu können.“

Redaktion: Welche Aufgabe ist für Sie als Behindertenbeauftragte besonders wichtig?

Stefanie Kaiser: „Der Auftrag von Behindertenbeauftragten ist, die Bedingungen für Inklusion, für eine Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in allen Bereichen des Lebens zu verbessern oder auch zu schaffen. Dafür braucht es eine Haltung der Gesellschaft, die Vielfalt zu schätzen weiß, dann ist die Umsetzung von Maßnahmen einfach. Ohne diese Haltung wird mühsam um die Höhe eines jeden Randsteins an der Straße gekämpft.

Eine wunderbare Grundlage ist die Arbeit des früheren Behindertenbeauftragten Manfred Kemters: Er hat durch seine Person, als sympathischer, lösungsorientierter Mensch, der sich in einem Rollstuhl fortbewegt, gezeigt, dass Barrierefreiheit nötig ist, wenn man ihn dabeihaben will. Und das wollten sie alle, die Architekten, Wohnbaugenossenschaften, Politiker, Zugbegleiter und viele andere. Herr Kemter hat nicht nur vieles bewegt, sondern in seiner Person auch ganz konkret ein Lernfeld geboten.“

Redaktion: Welchen Beitrag können Sie als Behindertenbeauftragte für die Gesellschaft leisten? Wo sehen Sie Ansätze, um die Rechte der Menschen mit Behinderungen besser umzusetzen?

Stefanie Kaiser: „Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) bedeutet für mich eine Chance für die Gesellschaft, einen Blickwechsel zu vollziehen. Ein Mensch mit Behinderung ist eben in erster Linie ein Mensch – ein phantasievoller, fröhlicher, zugewandter, manchmal auch ein frustrierter, nörgelnder oder unzufriedener Zeitgenosse – so wie man sie überall in der Gesellschaft vorfindet. Und dieser Mensch hat auch eine Behinderung, die es auszugleichen gilt. Es geht also darum, Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen, um sich kennen zu lernen. In unserer Gesellschaft des ausgeprägten Individualismus verpflichtet die UN-BRK geradezu zu Gegenseitigkeit und Austausch. Und dieser Austausch ist nötig und geboten, um Barrierefreiheit herzustellen oder sich über den Ausgleich von anderen Nachteilen zu vereinbaren. Aus dieser Begegnung entsteht Energie, die es ermöglicht, mit Freude aktiv zu werden, zu teilen, zu verändern, letztlich der Verantwortung als Gesellschaft gerecht zu werden.“

Redaktion: Wie wollen Sie aktiv werden?

Stefanie Kaiser: „Mein Wunsch ist, die Notwendigkeit barrierefreien Bauens weiterhin zu verdeutlichen, damit dies selbstverständlich in Planungen mitberücksichtigt wird. Mit den bestehenden Institutionen und Personen, auch den Behindertenbeauftragten, die in den Gemeinden tätig sind, würde ich mich gerne noch besser vernetzen, um anstehende Maßnahmen mit zu unterstützen und weitere Entwicklungen anzustoßen. Das Themenfeld insgesamt ist so umfangreich, dass ich mir gerne erst ein Bild davon verschaffen möchte, was nötig und möglich ist, um dann Schritt für Schritt vorzugehen, und ich freue mich sehr auf diese Aufgabe!“