Sprungziele
Seiteninhalt
06.10.2021

Naturschutzgroßprojekt Baar: Es tut sich was im Wald!

Auch in diesem Jahr hat das Naturschutzgroßprojekt Baar (NGP Baar) eine Exkursion für die Mitglieder der projektbegleitenden Arbeitsgruppe (PAG) angeboten. Ziel ist es, an Hand ausgewählter Maßnahmen über den Fortschritt des Naturschutzgroßprojektes Baar vor Ort zu berichten.

Die erste Station war deshalb am vergangenen Mittwochvormittag der Wald südlich der Gnadentalkapelle in Donaueschingen-Neudingen. Dort erläuterte Projektmitarbeiter Jörg Fünfgeld die durchgeführten Maßnahmen. Zum einen wurde ein Fichtenbestand auf einer Fläche von rund 1,1 Hektar aufgelichtet. Der so geschaffene Korridor ermöglichte es, insbesondere Insekten zwischen den angrenzenden Wiesen, die durch den Fichtenriegel getrennt sind, zu wandern. Daneben wurde auch der Waldrand abwechslungsreicher gestaltet. Die gerade Linie zwischen Wald und Grünland wurde aufgebrochen, indem Fichten entnommen und so Buchten geschaffen wurden. Auch haben nun einige Laubbäume wieder mehr Luft zum Wachsen. Insgesamt wurde die Struktur verbessert und unterschiedliche kleinklimatische Bedingungen gefördert. Grundsätzlich erläuterte Dr. Friedrich Kretzschmar vom Regierungspräsidium Freiburg, dass entlang der Übergangsbereiche zwischen zwei Lebensräumen in der Regel eine höhere Artendichte zu finden ist, als in den jeweils angrenzenden Bereichen (Grenzlinienwirkung/Randeffekt, auch edge-effect (engl.) genannt).

An der Straße vom Schächer (Hüfingen-Fürstenberg) zur Längewiese erklärte Projektleiter Thomas Kring die angedachte Freistellung des dortigen Steinbruches. Durch die Beseitigung der Gehölze kann der Lebensraum für Insekten, Reptilien und Pflanzen trocken-warmer Standorte deutlich verbessert werden.

Direkt südlich der Straße befindet sich im Buchenwald eine Stilllegungsfläche. Hier wurde zwischen der Stadt Hüfingen und dem Naturschutzgroßprojekt Baar vereinbart, dass der Wald und vor allem die 80- bis 120-jährigen Buchen nicht genutzt werden. Durch die Nutzungsaufgabe können die Bäume ihr natürliches Alter von bis zu 300 Jahren erreichen und Spechten als Nahrungs- und Höhlenbäume dienen. Als Folgenutzer ziehen gerne Hohltauben und Fledermäuse in die Spechthöhlen ein.

Der Abschluss des Vormittages fand auf dem Fürstenberg statt. Zur Unterstützung des Schäfers wurde am Südhang der Zaun mit Projektmitteln erneuert. Darüber hinaus wurden Waldflächen durch das Naturschutzgroßprojekt Baar erworben. Aus den dichten und sehr artenarmen Fichtenbeständen soll ein lichter Wald aus Kiefern und Eichen entwickelt werden. Dieser Bestand kann dann Arten der lichten Wälder sowie der Mager- und Trockenrasen, wie beispielsweise der Weißen Schwalbenwurz, dem Baumpieper oder dem Esparsetten-Widderchen, als Lebensraum dienen.

Infos zum Naturschutzgroßprojekt Baar

Als Naturschutzgroßprojekte (NGP) werden seit 1979 national bedeutsame und repräsentative Naturräume vom Bund gefördert. Seit März 2013 werden Teile der Baar und der Baaralb, aufgrund ihrer gesamtstaatlichen und internationalen Bedeutung für den Naturschutz, als „Naturschutzgroßprojekt Baar“ durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und des Landes Baden-Württemberg gefördert.

Ziel des NGP Baar ist es zum einen, die Wald-, Trocken- und Feuchtlebensräume für den Arten- und Biotopschutz sowie den regionalen und internationalen Biotopverbund zu sichern. Zum anderen wird aber auch die qualitative und quantitative Verbesserung von bedeutsamen Lebensräumen angestrebt. Damit leistet das Naturschutzgroßprojekt einen wichtigen Beitrag zum Erhalt und zur Verbesserung der Biodiversität, also der biologischen Vielfalt.

Der Schwarzwald-Baar-Kreis ist Träger des Naturschutzgroßprojektes Baar. Daneben sind der Landkreis Tuttlingen und die folgenden zehn Kommunen beteiligt: Bad Dürrheim, Blumberg, Bräunlingen, Brigachtal, Donaueschingen, Geisingen, Hüfingen, Königsfeld, Mönchweiler und Villingen-Schwenningen. Die Gesamtfläche der Fördergebiete von 4.289 Hektar gliedert sich in 17 Teilflächen.


Projektbegleitende Arbeitsgruppe (PAG)

Die PAG trifft sich mindestens einmal jährlich, um über den Umsetzungsstand zu beraten. Mitglieder sind neben den Fördermittelgebern (Bundesumweltministerium und Bundesamt für Naturschutz sowie Umweltministerium Baden-Württemberg und Regierungspräsidium Freiburg) und den beteiligten zehn Kommen auch Vertreter der beiden Landkreise sowie der Landwirtschaft und des ehrenamtlichen Naturschutzes.