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23.06.2020

Gesundheitsamt berichtet über Arbeit zur Bewältigung der Corona-Pandemie

Frühzeitig, bereits ab 1. Februar bereitete sich das Gesundheitsamt des Schwarzwald-Baar-Kreises auf das Thema „Coronavirus“ vor. Nachdem am 27. Januar die erste am Coronavirus infizierte Person in Deutschland registriert wurde, bildete das Gesundheitsamt ein Corona-Team und startete eine wöchentliche Berichterstattung. Dr. Jochen Früh, Leiter des Gesundheitsamtes erklärt, wie sich das Coronavirus im Schwarzwald-Baar-Kreis ausbreitete und welche Maßnahmen das Gesundheitsamt zur Eindämmung einleite-te. Für ihn ist aktuell wichtig, dass die bisherigen Maßnahmen, wie zum Beispiel die infizierten Personen und Kontaktpersonen abzusondern, weitreichend zu testen und die Abstandsregeln einzuhalten, weitergeführt werden. „Wir müssen die aktuelle „Ruhephase“ zwischen der abgelaufenen und einer eventuellen zweiten Welle nutzen, um Ressourcen auszubauen, Prozesse zu vereinfachen und das Gesundheitswesen nachhaltig für solche Gesundheitsverfahren zu digitalisieren und zu vernetzen“, so Dr. Jochen Früh.

Rückblick:
Der erste Fall einer SARS-CoV2-Infektion trat am 4. März an einer Furtwanger Schule auf. Die Schule wurde sofort geschlossen, Kontaktpersonen des infizierten Lehrers, der außerhalb des Landkreises wohnte, nachverfolgt. Am 7. März trat der erste im Schwarzwald-Baar-Kreis infizierte Fall in St. Georgen auf. Im weiteren Verlauf stiegen die Fallzahlen im Schwarzwald-Baar-Kreis. Eine erste Besprechung fand im Landratsamt am 12. März statt, um zu klären, welche weiteren Verwaltungsmaßnahmen administrativ und organisatorisch in die Wege geleitet werden müssen – Landrat Sven Hinterseh rief den Verwaltungsstab offiziell am 17. März ein. Ab diesem Zeitpunkt wurden regelmäßige Telefonkonferenzen mit dem Verwaltungsstab, Bürgermeistern, Ärzteschaft, Rehakliniken, Schwarzwald-Baar Klinikum und Pressevertretern geführt. Die Corona-Verordnung trat am 16. März in Kraft. Universitäten, Schulen, Kindergärten wurden geschlossen, Veranstaltungen und Versammlungen untersagt, Kultureinrichtungen, Sportstätten und Geschäfte (ausgenommen beispielsweise Lebensmittelgeschäfte) und Gaststätten geschlossen. Auf dem Messegelände in VS-Schwenningen wurde am 21. März die zentrale Abstrichstelle aufgebaut, die durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) betrieben wurde. Die zentrale Abstrichstelle entlastete die Hausarztpraxen. Über das erste Wochenende wurde die Ambulanz durch das Gesundheitsamt betrieben, unterstützt durch Hilfsorganisationen. Die ersten zwei Todesfälle im Schwarzwald-Baar-Kreis wurden am 27. März gemeldet. Die Fieberambulanz ging am 20. März in der Tennishalle in VS-Schwenningen in Betrieb und wird weiterhin durch die Kassenärztliche Vereinigung betrieben – die Einrichtung am Standort Messegelände wurde eingestellt. Am 1. April verhängte die Stadt Blumberg in enger Abstimmung mit dem Landratsamt eine Ausgangssperre für den Stadtteil Riedböhringen bis zum 15. April, da innerhalb einer Woche acht Fälle aufgetreten waren und die Quarantäne nur so gewährleistet werden konnte. Von 29 Fällen in Blumberg traten 22 Fälle im Stadtteil Riedböhringen auf.

Die Pandemie-Strategie des Schwarzwald-Baar-Kreises:

Dr. Jochen Früh, Leiter des Gesundheitsamtes erklärt, welche Strategie der Schwarzwald-Baar-Kreis zu Grund legte, um die Corona-Pandemie einzudämmen: „Uns war und ist es weiterhin wichtig, dass wir schnell, frühzeitig und umfassend Maßnahmen ergreifen!“ Deshalb wurden positiv bestätigte Covid19-Erkrankte und deren Kontaktpersonen schnellstmöglich abgesondert. Dabei waren die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes an sieben Tagen die Woche bis spätabends im Einsatz. Als weitere Maßnahmen wurde schon sehr früh am 28. Februar eine Hotline für Bürger eingerichtet, mit Pressemitteilungen und –konferenzen sowie über die Homepage www.lrasbk.de informiert. Wichtig war zudem, dass frühzeitig und flächendeckend auf Covid19 getestet wurde.

Wie geht des Gesundheitsamt bei Covid19 positiven Patienten vor?

Der Arzt oder das Labor müssen positive Covid19-Befunde dem Gesundheitsamt melden. Daraufhin nimmt das Gesundheitsamt umgehend direkt Kontakt mit der erkrankten Person auf. „In den meisten Fällen können wir die Personen telefonisch erreichen. Wenn das nicht möglich ist, fährt unser Mitarbeiter den Befund mit der Quarantäneverfügung persönlich an die ermittelte Anschrift, mit dem Hinweis, dass die Person mit dem Gesundheitsamt Kontakt aufnehmen muss“, erläutert Dr. Jochen Früh. „Über das positive Testergebnis informieren wir auch über die normalen Bürozeiten hinaus direkt mit der betroffenen Person und deren Umfeld – noch am selben Tag, an dem der Befund eingeht. Im Gespräch fordern wir zu einer weitreichenden Quarantäne auf und legen die Dauer der Isolation des Infizierten fest, die zwischen ein und 14 Tagen liegt. Zudem wird darüber entschieden, welche unmittelbaren Kontaktpersonen, wie zum Beispiel Haushaltsangehörige, ebenfalls unter sofortiger Quarantäne stehen.“ Die Dauer wird bei den Kontaktpersonen 14 Tage ab dem letzten Kontakt zum Infizierten errechnet. Für Personen, die in systemrelevanten, medizinischen Bereichen tätig sind wie beispielsweise im Klinikum oder Alten- und Pflegeheimen, liegt die Verantwortung bei den Direktionen.

Neben dem telefonischen Kontakt mit der an Covid19 erkrankten Person wird zum einen der Befund und das offizielle Schreiben für die Isolation an den Erkrankten per Post zugesandt. Ebenso versendet das Gesundheitsamt am selben bzw. am Folge-Tag das Schreiben an Kontaktpersonen, die sich vorsorglich in Quarantäne einfinden müssen. Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes kontrollieren durch regelmäßige Anrufe, ob die Isolation und die Quarantäne eingehalten werden. „Die Isolation eines Erkrankten kann frühestens nach 14 Tagen ab Erkrankungsbeginn aufgehoben werden. Voraussetzung dafür ist, dass nach einem 14-tägigen Krankheitsverlauf der Patient mindestens 48 Stunden Fieber- und 24 Stunden frei von Symptomen ist“, erklärt Dr. Jochen Früh. Ist die Isolation aufgehoben, gilt der Erkrankte als genesen.

Wie werden die Kontaktpersonen durch das Gesundheitsamt ermittelt?

Das Ermittlerteam des Gesundheitsamtes befasst sich damit, dass die Kontaktpersonen des Erkrankten schnell erfasst und unverzüglich mündlich unter Quarantäne gestellt werden. Ein weiteres Team erstellt die Liste der Kontaktpersonen. Sind diese Personen gefährdet, wird nach vorausgegangener sofortiger mündlicher Anordnung eine 14-tägige Quarantäne verhängt, die schriftliche Verfügung, folgt.

Mit Stand zum 26. Mai 2020 ermittelte das Gesundheitsamt im Schwarzwald-Baar-Kreis 6.584 Kontaktpersonen. „Das erfüllt die vorgegebene Richtzahl pro Fall“, hält Dr. Jochen Früh fest und meint: „Der Aufwand, die Kontaktpersonen zu ermitteln, abzusondern und zu überwachen ist sehr hoch. Wir gehen davon aus, dass ungefähr drei von zehn der Erkrankten zuvor selbst bereits formell als Kontaktpersonen unter Beobachtung standen. Die Erfahrung zeigt, dass das zügige telefonische Absondern sinnvoll und effektiv ist. Gerade bei Covid19 sind häufig noch asymptomatische Kontaktpersonen vorhanden, die die Infektion übertragen können.“

Um bei einer eventuell zweiten Welle vorbereitet zu sein, stellt sich das Gesundheitsamt bei der Kontaktpersonenermittlung personell noch breiter auf. Ab Juni werden sukzessive Mitarbeiter aus anderen Bereichen der Kreisverwaltung eingearbeitet. Die Personalplanung soll flexibel auf den jeweils aktuellen Bedarf ausgerichtet sein.

Wie funktioniert die Bürgerhotline?

Das Gesundheitsamt hat seit 26. Februar eine Bürgerhotline eingerichtet, die täglich von Montag bis Sonntag von 8 bis 16 Uhr besetzt ist (ab 1. Juli von Montag bis Freitag). Auf zwölf Telefonleitungen werden Bürger umfassend zur Corona-Pandemie informiert, zum Beispiel zu Gesundheitsfragen, Reisen und Risikogebieten oder zur Corona-Verordnung. Innerhalb von drei Monaten waren über 15.000 Anrufe zu verzeichnen. „An einzelnen Tagen wurden bis zu 800 telefonische Anfragen beantwortet, im Durchschnitt wurden zwischen 400 und 500 Anrufe entgegengenommen“, so Dr. Jochen Früh.

Weshalb wurde die Fieberambulanz eingerichtet?

Die Fieberambulanz wurde als zentrale Abstrichstelle des Schwarzwald-Baar-Kreises bei fieberhaften Erkrankungen oder Verdacht auf eine Covid19-Erkrankung eingerichtet. Am Wochenende zum 14./15. März wurde auf dem Messegelände in VS-Schwenningen die Abstrichstelle aufgebaut, um die Hausarztpraxen und die Notaufnahme des Schwarzwald-Baar Klinikums zu entlasten. Betrieben wird die Ambulanz durch die Kassenärztliche Vereinigung. Seit dem 30. März befindet sich die Abstrichstelle in der Tennishalle in VS-Schwenningen.

Die Abstrich-Ambulanz dient der frühen und ausgedehnten Testung von möglichen Co-vid19 Erkrankten. An einzelnen Tagen wurden in der Fieberambulanz bis zu 100 Abstrichen pro Tag durchgeführt. Im Durchschnitt wurden täglich mehr als 50 Abstriche täglich abgenommen. Die Öffnungszeiten wurden dem Bedarf angepasst. Aktuell hat die Fieberambulanz von Montag bis Freitag geöffnet.

Wie hat das Gesundheitsamt die Alten- und Pflegeeinrichtungen im Blick?

Das Gesundheitsamt hat den Alten- und Pflegeeinrichtungen im Landkreis bereits Anfang März eine hohe Priorität eingeräumt. „Als Dienste, welche mit einer Risikogruppen zusammenarbeiten, haben sich diese Strukturen als höchst verwundbar herausgestellt. Deshalb haben wir den Alten- und Pflegeeinrichtungen frühzeitig Empfehlungen an die Hand gegeben und sie beraten“, so Dr. Jochen Früh. Für das Ausbruchsmanagement wurde ein Arzt des Gesundheitsamtes bereitgestellt. Er berät zu Hygienekonzepten, sucht die Pflegeeinrichtungen aktiv auf und führt bei Bedarf Abstriche durch. Die Kassenärztliche Vereinigung richtete einen „Corona-Fahrdienst“ ein. Dieser führte bei Bedarf umfangreiche Testungen bei Mitarbeitern und Bewohnern von Alten- und Pflegeeinrichtungen durch. Aufgrund des geringen Bedarfs wurde dieses Angebot der Kassenärztlichen Vereinigung zwischenzeitlich eingestellt. Mit Stand zum 2. Juni wurden 18 Einrichtungen vollständig abgestrichen. Bei Einbruch der Erkrankung in Alten- und Pflegeeinrichtungen muss damit gerechnet werden, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigt. Deshalb müssen Alten- und Pflegeheime frühzeitig und umfassend auf Covid19 getestet werden – auch aufgrund der Öffnungen und Lockerungen der Corona-Verordnung, die weiter zu-nehmen. „Nur so können wir größere Ausbrüche verhindern“, stellt Dr. Jochen Früh fest.

Hintergrundinfo-1:
Im Schwarzwald-Baar-Kreis gibt es 33 Alten- und Pflegeeinrichtungen. Zudem gibt es mehrere Einrichtungen des betreuten Wohnens sowie eine Vielzahl ambulanter Pflege-dienste.

Hintergrundinfo-2:
Coronavirus SARS-CoV-2
Das „Severe Acute Respiratory Syndrome Corona Virus 2“ (SARS-CoV2), auch bekannt als „Corona-Virus“, ist ein RNA-Virus der Gattung der Beta-Coronaviren.
Insgesamt sind sieben krankheitserregende Coronaviren bekannt, welche den Menschen befallen können. Die von ihnen hervorgerufene Krankheit kann von einer gewöhnlichen Erkältung bis zu einer schwerwiegenden, mitunter tödlich verlaufenden Krankheit reichen. Aktuell wird davon ausgegangen, dass sich SARS-CoV2 nur langsam genetisch verändert (im Vergleich zum Beispiel zum Influenza/Grippe-Virus, für welches zum Beispiel jedes Jahr ein neuer Impfstoff entwickelt werden muss).

Hintergrundinfo-3:
Corona Virus Disease 2019
„Corona Virus Disease 2019“ („Covid-19“) ist die durch SARS-CoV2 verursachte Lungen- und Systemerkrankung. Derzeit wird davon ausgegangen, dass das SARS-CoV-2-Virus ursprünglich von Fledermäusen stammt und dass die ersten Übertragungen auf den Menschen auf einem Markt in Wuhan, Provinz Hubei, China, erfolgt sind.
Häufige Symptome sind: Fieber, Husten, Schnupfen, Atemnot und Geschmacks- und Geruchsstörungen. Es können jedoch auch vielfältige weitere Beschwerden auftreten. Auch völlig asymptomatisch verlaufende Infektionen kommen vor und werden durch die Ausweitung der Testkapazität zunehmend erkannt. Die Inkubationszeit beträgt im Durschnitt drei bis fünf Tage, kann aber bis zu 14 Tage dauern. Patienten sind in den beiden Tagen, bevor Symptome auftreten, bereits ansteckungsfähig. Bislang bestehen nur symptomatische Therapieansätze. Mit einer Impfung ist vermutlich frühestens im nächsten Jahr zu rechnen.

Hintergrundinfo-4:
Risikobewertung des Robert-Koch Institutes
Das Robert-Koch Institut bewertet die aktuelle Lage Deutschlands in Hinblick auf akute infektiologische Geschehen. Dies geschieht anhand aktueller Informationen.
Aktuell sind die Fallzahlen einer Covid-19 Erkrankung in Deutschland rückläufig. Dennoch schätzt das Robert-Koch Institut die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung weiterhin als hoch ein, für Risikogruppen (Ältere und/oder vorerkrankte Menschen) als sehr hoch. Vor allem bei zunehmendem Alter und bestehenden Vorerkrankungen nimmt das Risiko, einen schweren Krankheitsverlauf zu erleiden, zu. Es gibt auch vermehrt Fälle, in welchem jüngere, augenscheinlich gesunde Menschen einen bedrohlichen Krankheitsverlauf entwickelt haben.
Die Gefährdung kann je nach Region variieren. In Baden-Württemberg kann die Inzidenz um den Faktor 5 variieren. Aktuell ist die Gefährdung in vielen Kreisen Deutschlands gering, in anderen jedoch auch sehr hoch. Die Gefährdung kann sich kurzfristig durch neue Geschehnisse oder Erkenntnisse sehr schnell ändern. Insgesamt handelt es sich bei der aktuellen Pandemie um eine „sehr dynamische und ernst zu nehmende Lage“. Diese Einschätzung wurde zuletzt am 26. Mai 2020 erneuert.

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