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16.05.2019

Blaulichttag - Psychosoziale Notfallvorsorge

Ein vielfaltiges Aufgabenspektrum decken die Hilfs- und Rettungsorganisationen im Schwarzwald-Baar-Kreis ab. Beim Blaulichttag am Sonntag, 7. Juli rund um das Landratsamt in VS-Villingen werden die Helfer und ihre Spezialgebiete präsentiert. Mit dazu gehört auch die Psychosoziale Notfallversorgung.

Sie sind die Helfer, die oft im Hintergrund agieren, trotz ihrer auffälligen Westen diskret arbeiten und manchmal auch nur Stille aushalten müssen. Die Rede ist von der Psychosozialen Notfallversorgung – kurz PSNV. Doch was steckt hinter der wertvollen Arbeit jener, die nicht mit Technik und Kraft, sondern mit Einfühlungsvermögen und Beistand helfen? Bei der Beantwortung der Frage hierzu hilft zunächst der Blick in die Geschichte der PSNV. Anlass einer solchen Versorgung war nämlich das schreckliche Busunglück 1992 in der Nähe von Donaueschingen, bei dem 20 Menschen starben.

Aus der Erfahrung des Unfalls hinsichtlich der Verarbeitung des belastenden Einsatzes, bildete sich zunächst der Einsatznachsorgedienst (END), der Einsatzkräften zur Verfügung steht. „Denn auch diese geraten psychisch manchmal an ihre Grenzen“, berichtet Bertram Krämer, stellvertretender PSNV-Leiter. Sofern gewünscht, betreuen Kriseninterventionshelfer die Kräfte nach schweren Einsätzen – beispielsweise durch Gespräche im Feuerwehrhaus.

Es zeigte sich nach der Entstehung des END jedoch schnell, dass die Betreuung von Angehörigen, Zeugen und Ersthelfern in Krisensituationen eine noch dringendere Aufgabe war – so wurde der Notfallnachsorgedienst (NND) ins Leben gerufen. Dabei geht es vor allem um den Beistand von Angehörigen nach plötzlichen Todesfällen oder Suiziden, aber ebenso von Ersthelfern und Augenzeugen nach Unfällen oder Gewaltakten.

Wie sieht ein solcher Beistand aus? „Es geht dabei vor allem um die Hilfe zur Selbsthilfe“, berichtet die erfahrene Kriseninterventionshelferin Birgit Lutz. Man würde nicht „einfach irgendwie reden“, wie es vielleicht von vielen vermutet wird – vielmehr gehe es darum zu schauen, was derjenige im Moment brauche. „Wir beantworten Fragen, die aufkommen, aktivieren Netzwerke oder verständigen Angehörige“, so Lutz. Es könne auch sein, dass man einfach „Stille aushalten muss“, wenn die Betroffenen sich nicht mehr unterhalten möchten.

Im Falle des NND werden Einsatzkoordinatoren über die Leitstelle alarmiert, die wiede-rum Helfer zur Einsatzstelle beordern. Dort verbringen sie in der Regel zwei bis drei Stunden, dann müsse entschieden sein, ob Familie und Freunde sich um die weitere Betreuung kümmere oder die Person – beispielsweise aufgrund eines psychiatrischen Not-falls – in eine Klinik eingewiesen werden muss. Dies zu unterscheiden ist auch Aufgabe der Helfer, die im Gegensatz zu Seelsorgern konfessionsunabhängig arbeiten. „In solchen Krisenmomenten muss man Mitgefühl haben – aber kein Mitleid, weil dann die Ob-jektivität verloren geht“, berichtet Krämer von der Gratwanderung bei Krisensituationen. Der Helfer ist seit fünf Jahren dabei, ist darüber hinaus als Sterbebegleiter in der Hospiz-Bewegung aktiv und sieht die Arbeit bei der PSNV als sinnvolle Ergänzung, „um Menschen in diesem freien Fall aufzufangen“. Notwendig sei aber eine fundierte Ausbildung inklusive eines Grundkurses, einer einjährigen Hospitanz sowie eines Fachlehrgangs. „Neben psychischer Stabilität sind Empathie, Einfühlungsvermögen und sicher auch eine gewisse Lebenserfahrung als Voraussetzung für die Helfer notwendig“, berichtet Lutz, die sich aufgrund ihrer psychologischen Ausbildung für die PSNV entschieden hat. „Ich wollte anderen in einem Ehrenamt zurückgeben, was mir persönlich wichtig erscheint.“
Dabei kann es jedoch sein, dass die Kriseninterventionshelfer ebenfalls Unterstützung benötigen – auch wenn es grundsätzlich immer gelte, die schlimmen Ereignisse oder belastenden Situationen nicht an einen herankommen zu lassen. „Wir haben Dienstabende, in denen wir über das Erlebte reden, dabei steht ein Psychologe zur Verfügung“, erklären die beiden Helfer, die dank ihrer jahrelangen ehrenamtlichen Arbeit bereits einer Vielzahl von Betroffenen und Hinterbliebenen in den schwierigen Momenten Halt gegeben haben.

INFOKASTEN:
Beim Blaulichttag des Schwarzwald-Baar-Kreises präsentieren sich am Sonntag, 7. Juli von 10 bis 17 Uhr zahlreiche Rettungs- und Hilfsorganisationen rund um das Landrats-amt in VS-Villingen. Darüber hinaus finden mehrere Einsatzübungen statt. Im Vorfeld des Blaulichttages stellen wir in einer Serie alle teilnehmenden Organisationen vor.